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Musenkuss

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Jun. 16th, 2007 | 12:40 am
mood: tiredtired
music: Höstvisa - Ainbusk

Nachdem ich jetzt eine ganze Weile lang damit beschäftigt war meine Diplomarbeit  zu schreiben, komme ich jetzt endlich wieder dazu schöne (oder schräge?) Geschichten aufzuschreiben. Oder fertig zu machen. Hier kommt eine kleine Kostprobe vom Musenkuss, den ich schon seit einem Jahr liegen habe und jetzt endlich fertig schreiben kann - was auch teilweise daran lag, dass ich lange nicht wusste, wie ich das Ganze überhaupt enden lassen will. 

Ganz entgegen seiner Gewohnheit saß Tassilo eines Abends nach der Vorstellung mit Carmelia bei einem Gläschen Wein in der Kantine. Eine halbe Stunde später wünschte er sich, sie hätte ihn nie überredet noch zu bleiben. Er mochte sie gerne und es gab kaum jemanden der ihn besser kannte, als sie – außer seiner Mutter und seiner Ex-Verlobten vielleicht. Auch er hatte sie im Laufe der Jahre, die sie schon zusammen arbeiteten sehr gut kennen gelernt. Vielleicht hatte er geglaubt, ihr vertrauen zu können, als er ihr zu erzählen begann, was er noch keinem erzählt hatte, und was er auch nicht vorgehabt hatte jemals irgendwem zu erzählen.
„Meine Muse – sie ist die einzige, die mich besucht,“ sagte er mit einem Lächeln auf dem schiefen Mund zu ihr. Und dann war gekommen, was kommen musste. Carmelia wollte alles über sie wissen.
„Manchmal kommt sie, manchmal nicht, und dann fallen mir Dinge ein ...“
Sie war schon länger nicht mehr da gewesen. Sie kam eben nur, wenn sie wollte und seit einiger Zeit fragte er sich, ob er etwas falsch gemacht hatte.
„War sie schon einmal bei uns in der Vorstellung?“ wollte Carmelia wissen, neugierig wie sie war. „Warum hast du sie mir noch nie vorgestellt?“
Tassilo musste lachen. „Das geht nicht. Die sehe ja nur ich.“
Carmelia kniff ungläubig die Augen zusammen. „Es gibt sie also nur in deiner Phantasie?“ Sie klang ein wenig enttäuscht.
„So würde ich das nicht sagen.“
„Verstehe ich nicht. Wenn es sie richtig gibt, dann kannst du mich doch einmal mit dir bekannt machen. Bin ich nicht deine beste Freundin?“
„Hm – klar,“ sagte er mit einem verrutschten Lächeln. Er lächelte, weil das besser war, als zu heulen und vor Wut zu brüllen. Eben wurde ihm klar, was er hier gerade erzählte. Nicht einmal Carmelia würde das verstehen.
„Aber so einfach ist das eben nicht. Sie ist nur für mich da.“
Carmelia richtete ihre schlanken Schultern ein wenig auf und begann dann den restlichen Wein aus der Flasche auf die beiden Gläser zu verteilen. Sie seufzte und stützte ihr Kinn auf die Hand.
„Ach Tassi ...,“ sagte sie. „Du solltest dich endlich einmal nach einer richtigen Freundin umschauen. Es ist höchste Zeit. Jetzt bist du dreißig – und jünger wirst du bestimmt nicht.“
„Was soll das denn heißen? Du glaubst mir nicht? Ich bin mit meinem Leben zufrieden, so wie es ist.“
„Mach dir nichts vor! Dann müsstest du dir auch keine Muse einbilden, die nachts zum Fenster hereinschwebt.“
„Sie ist echt,“ sagte er und sprang von seinem Sessel auf, so dass die Angestellten, die bereits dabei waren, die Tische abzuwischen, einander vielsagende Blicke zuwarfen. Diese Künstler - von denen war keiner ganz dicht – aber das war kein Geheimnis.
Tassilo leerte sein Glas, streckte sein Kinn ein wenig vor und ging mit großen Schritten aus dem Raum, ohne seinen Worten noch etwas hinzugefügt zu haben.
Carmelia zuckte mit den Schultern, schüttelte den Kopf und fuhr sich mit der Hand über die Haare.
„Schreiben Sie’s auf meine Rechnung,“ sagte sie zu dem Mädchen, das die Weinflasche und die Gläser abservierte. Dann schnappte sie ihre Handtasche und verließ ebenfalls mit hoch erhobenem Haupt den Raum.

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Comments {3}

Valancy

(no subject)

from: valancystar
date: Jun. 17th, 2007 08:32 pm (UTC)
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My German writing is much worse than my German reading, so I hope it's okay I comment in English. :)

Though my German reading isn't great either, which is why I didn't comment earlier, I needed some time to focus on reading this. And it's hard to comment in much detail because I read German with much more difficulty than Finnish or English, but I can say it seems to me your writing is good. I liked this. And I am niow interested in what's going on in this story! So if you want to show more excerpts, I'll be glad to read them, though I'll be slow at it.

If you want more detailed commentary, I can try to give some, though there's a limit to how much I can say - I can't comment much on the language because my own understanding of it isn't good enough.

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lapislazuli79

(no subject)

from: lapislazuli79
date: Jun. 17th, 2007 09:20 pm (UTC)
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Oh! Thank you for reading this. I appreciate your comment a lot especially as I know that it is harder for you.
If you really want I can send you the whole first chapter, of which this is an excerpt. The story has in whole three chapters (at the moment I am in the process of finishing chapter three), so not really a novel and also not exaxtly short-story.

And I think it is also hard to comment on this excerpt, because it is so short, and one can't really see where the story will lead.
Actually I would be glad about any comments on it, and there are also things to comment that don't have to do so much with language. Plot things and so on, and often I am not sure if I got the tempo right especially in this story (I am not sure whether it's too slow, and if there aren't too many descriptive/ narrative parts). But maybe you will find it easier to say something, when you know more of it. BTW - I also won't be offended at all, in case you tell me things that you did not like. I know that I am far from being perfect and can do with any hint on things that don't work well. :-)
Thank you so much again for reading :-)






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Valancy

(no subject)

from: valancystar
date: Jun. 17th, 2007 09:29 pm (UTC)
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It would be great if you sent me the whole first chapter, then I could better see what it's about and it would be easier to comment on things like how the plot moves and whether the reader has enough information etc. So if you want, you can send it to me and I'll read it and comment in more detail - it will take a while of course, because I read German slowly. But I need to keep up my German anyway, and it's always easier to do it by reading interesting things rather than just going through grammar books. :) And I know from experience how good it is to get at least some kind of commentary for your writing.

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